WAS IST DAS: REFLEKTIERTE ELTERN?


Freddy G (unsplash)

Reflektieren ist en vogue. Bei Google finden sich 5.590.000 Ergebnisse zum Verb "reflektieren". Doch was genau bedeutet es und wodurch zeichnen sich reflektierte Eltern aus?

Der Wortherkunft nach bedeutet reflektieren so etwas wie zurückwerfen, brechen oder zurückstrahlen. Neben diesem, offensichtlich aus der Physik stammenden, Begriffsverständnis ist uns das Reflektieren aber auch als eine Art zu denken geläufig. Zu reflektieren bedeutet gewissermaßen, über Bande zu denken. Wie beim Billard ist der direkte Weg weder der einzige, noch immer der beste. Reflektierend denken wir nicht nur an etwas - eine Frage, ein Problem, eine anstehende Entscheidung - sondern auch darüber nach. Indem wir die Konsequenzen uns Tuns abwägen, die Annahmen hinterfragen, auf denen unser Denken beruht, und das Feld aus mehreren Perspektiven sichten.


Über Bande zu denken setzt Bereitschaft voraus, denn es erfordert mehr Zeit als gedankliche Schnellschüsse. Geht es um die eigenen Einstellungen, kann es sogar schmerzhaft sein, denn Selbstreflexion setzt die Einsicht in die eigene Irrtumsanfälligkeit voraus. Nicht alles, was wir an unsere Kinder - bewusst oder unbewusst - weiterreichen, haben wir sorgfältig ausgewählt: "Wer nicht viel leistet, ist nichts Wert"; "Solange du deine Beine unter meinen Tisch stellst, wird gemacht, was ich sage"; "Ich konnte nie Mathe, warum solltest du das können?"- Redensarten haben zu ihrer Zeit vielleicht irgendeine Funktion gehabt - ob man sie aber weitergeben möchte, ist eine andere Frage.


Darum: Elternschaft ist ein guter Anlass für einen gedanklichen Frühjahrsputz: Bringen wir unsere pädagogisch relevanten Glaubenssätze ans Licht und prüfen wir, ob sie den eigenen Ansprüchen standhalten, ehe sie unsere Erziehung bestimmen.


Übrigens verschonen reflektierte Eltern ihre Kinder nicht nur vor Mythen. Sie geben auch die Bereitschaft, sich selbst zu hinterfragen, an ihre Kinder weiter. Das ist durchaus von Vorteil, denn wer sich früh in Selbstreflexion übt, hat später weniger Probleme damit, anderen Sichtweisen offen zu begegnen und Fehler zuzugeben.


Und von dogmatischen Besserwissern hat die Welt ja bereits genug.



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2021 © Dr. phil. Martina Petersen, Hamburg

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